Museum
für historische Wehrtechnik


Sonderausstellungen

Dillenbajonette seit 1720

Macheten-Bayonet Mod. 1898
für Artillerie-Karabiner
Spanien 1898

Schon beim ersten Erscheinen der Arkebusiere und Musketiere auf dem Gefechtsfeld machte sich ein schwerwiegender Umstand störend bemerkbar: außer der Anfälligkeit gegen Wind und Regen war die lange Nachladezeit immer ein Moment der Wehrlosigkeit gegen Pikeniere und Reiterei. Die Schützen benötigten praktisch immer den Schutz von Pikenieren, hinter deren Linie sie sich zurückziehen konnten.

Trowel-Bayonet (Schaufel-Bajonett) Mod. 1873 Springfield
USA 1873

Es ist unbekannt, wer als Erster auf die Idee kam, einen Dolch mit dem Griff voran in den Lauf seines Gewehres zu stecken und sich so eine "Ersatzpike" zu schaffen. Um 1640 waren diese "Spundbajonette" z.B. in Schweden gang und gäbe. Bekannt ist auch, dass die Regimenter Prinz Eugens vor Belgrad Spundbajonette benützten. Zu diesem Zeitpunkt waren die Spundbajonette allgemein verbreitet.
Nachteilig erwies sich der immer etwas lose Sitz des Griffes im Lauf. Die Waffe konnte sich auch ohne äußere Einwirkungen lockern und abfallen bzw. ein gewandter Gegner konnte im Handgemenge das Bajonett abziehen. Grundsätzlicher Nachteil aber war, dass mit dem "eingepflanzten" Bajonett weder geschossen noch geladen werden konnte.

Aushilfsbajonett für russisches Beutegewehr Nagant 1891
Deutschland 1. Weltkrieg

 Um 1700 tauchte dann das allgemein als französische Erfindung angesehene Dillenbajonett auf. Bereits 1696 war es in Schweden als Ordonanzwaffe eingeführt. Das erste reguläre französische Dillenbajonett war das Modell Saint Remy von 1702. In kürzester Zeit wurde das Dillenbajonett von praktisch allen Armeen übernommen.
Die konstruktiven und fertigungstechnischen Mängel wurden nach und nach ausgemerzt, soweit dies die damaligen Fertigungsmöglichkeiten zuließen. Durch verschiedene Gangformen und Sperrsysteme wurde ein fester und zuverlässiger Sitz erreicht.
Als meist verwendetes Befestigungssytem setzte sich die französische Art des Basal- und des Medialringes durch. Parallel dazu verlief die Entwicklung in Stich- und Haubajonette.

Versuchsbajonett Mod. 1916 für Nagant 1891 - sog. Sensenbajonett (vorgesehen für Drahtschere)
Rußland 1. Weltkrieg

Die Dillenbajonette wurden mittlerweile fast überall durch Griffbajonette (Seitengewehre) abgelöst, doch in Form von Rohr- oder Spikebajonetten und ähnlichen Konstruktionen sind sie auch heute noch in Verbindung mit modernsten Handfeuerwaffen bei verschiedenen Armeen anzutreffen.

Diese Sonderausstellung kam zustande auf Anregung unseres 2012 im Alter von 90 Jahren verstorbenen langjährigen Mitglieds Hugo Schürer, der uns die Exponate aus seiner Sammlung von über 700 Bajonetten und Kampfdolchen jeweils zu einem von ihm selbst ausgesuchten Thema zur Verfügung gestellt hatte. Seine Sammlung existiert nach einer Versteigerung bei einem Auktionshaus nur noch virtuell auf der von einem seiner Söhne eingerichteten website: http://schuerer-pku.de/HS/index.html.

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